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Villa Krötenhof

Erbaut wurde die eindrucksvolle Villa im Auftrag des Tuchfabrikanten Albert Meinert im Jahr 1887. Die architektonische Verantwortung hatte der Berliner Hofbaurat Ernst Eberhart von Ine, der das Gebäude im Stil der Gründerjahre entwarf. Nach dem Konkurs von Meinert wurde die Villa im Jahr 1899 versteigert und wechselte im Laufe der Jahre mehrmals den Besitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 eröffnete der Küchenmeister Wagner hier das Hotel „Krötenhof“. Der Name wurde in Anlehnung an die Skulptur einer wasserspeienden Kröte gewählt, die Wagner im Eingangsbereich aufstellen ließ. Die Villa diente ab 1951 dem VEB Industrieentwurf als Konstruktions- und Entwurfsbüro und wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahr 1958 als Klub der Volkssolidarität eröffnet.

Von 2000 bis 2001 wurde das Gebäude rekonstruiert. Seit 2003 betreibt die Stadt Dessau in der Villa Krötenhof das generationsübergreifende Jugend-, Kultur- und Seniorenfreizeitzentrum. Das Haus verfügt über einen behindertengerechten Außenfahrstuhl. Besonders geschichtsträchtig ist der filligrane Zaun, der das Anwesen umgibt. Das Glanzstück des Kunstschmiedehandwerks wurde vom Kunstschlosser und Automobilkonstrukteur Friedrich Lutzmann im Jahr 1887 erschaffen. Der gelernte Bauschlosser, Spengler und Werkzeugschmied gründete am 12. Februar 1886 in Dessau seine eigene Bau- und Kunstschlosserwerkstatt und erlangte schnell den Ruf als Meister seines Handwerks. Als Lutzmann am 28. April 1893 in Dessau den ersten Motorwagen der Stadt erblickte, beschloss er kurzerhand, selbst in den Automobilbau einzusteigen. Mit großem Erfolg: Seine Dessauer Motorwagenfabrik wurde im Jahr 1899 von den Gebrüdern Opel aufgekauft. Mit Lutzmann als Direktor produzierten die Brüder mit dem Opel Patentmotorwagen „System Lutzmann“ ihr erstes Automobil und schufen damit den Grundstein für den heutigen Opel-Konzern. Und noch ein Superlativ ist für Lutzmann reserviert: Zusammen mit seinem Freund Fritz Koch, einem Dessauer Klempnermeister, eröffnete er den sogenannten „Motorwagen-Fahr-Verkehr“ auf der Strecke Dessau-Oranienbaum-Wörlitz. Damit gelten die beiden Handwerksmeister als die ersten Taxiunternehmer Deutschlands.

Literatur: Riedel, Manfred: Friedrich Lutzmann – Ein Pionier des Automobilbaues. Anhaltische Verlagsgesellschaft Dessau, 1999.

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